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Glücksspielgesetze in Belgien: Regulierung und Rechtsvorschriften

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In Belgien wurden 2023 neue Regeln eingeführt – und seitdem müssen sich die iGaming-Anbieter an wesentlich strengere Vorschriften halten.


In diesem Artikel beleuchten wir die Geschichte und Kultur des Wettgeschäfts in Belgien und erläutern, was die neuen Glücksspielgesetze für die Anbieter bedeuten.


Geschichte des Glücksspiels in Belgien


Die Wurzeln des Glücksspiels in Belgien lassen sich, wie in den meisten nordeuropäischen Ländern, über Jahrhunderte zurückverfolgen: Bereits im 14. Jahrhundert gab es Kartenspiele und im 15. Jahrhundert wurde eine staatliche Lotterie gegründet.


Der berühmte belgische Architekt Leon Stynen schuf mit dem Grand Casino, das in der Küstenstadt Knokke errichtet wurde, einen weiteren wichtigen Meilenstein. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg leider stark beschädigt, danach allerdings restauriert, und mittlerweile ist es das größte Casino Belgiens, das auch für seine Kunstausstellungen und musikalischen Darbietungen Berühmtheit erlangt hat.


In den 1960er Jahren wurde das Casino aufgrund seiner wachsenden Beliebtheit zum Ganzjahresbetrieb freigegeben, nachdem es zuvor aufgrund seiner Küstenlage nur im Sommer geöffnet war. In den 1980er Jahren wurden weitere Renovierungen in Angriff genommen.  


Das Glücksspiel in Belgien wurde erst mit der Gründung der Belgischen Glücksspielkommission im Jahr 1999 legalisiert. Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes wurden sämtliche Glücksspiele staatlich lizenziert, reguliert und überwacht. Die Kommission setzt sich aus Vertretern der Ministerien für Justiz, Finanzen, Wirtschaft, innere Angelegenheiten und öffentliche Gesundheit zusammen.


Das Glücksspielgesetz vom 7. Mai 1999 definiert das Gambling als eine Form des „Glücksspiels“ – also „jedes Spiel, bei dem ein beliebiger Einsatz getätigt wird, was entweder zum Verlust dieses Einsatzes durch mindestens einen der Spieler oder zu einem beliebigen Gewinn für mindestens einen der Spieler oder die Organisatoren des Spiels führt und bei dem der Zufall einen, wenngleich untergeordneten, Faktor für die Abwicklung des Spiels, die Gewinnermittlung oder die Gewinnfeststellung darstellt“.


Der nächste große Meilenstein in der Geschichte des Wettgeschäfts in Belgien ereignete sich im Jahr 2011. Mit dem belgischen Glücksspielgesetz (dem Belgisch Gaming Act) wurden umfangreiche Änderungen an den Gesetzen rund um das Glücksspiel vorgenommen, allen voran die Legalisierung des Online-Gamblings, das dem landbasierten Glücksspiel gleichgestellt wurde.


Wettvorschriften in Belgien


Durch die oben erwähnte Gleichstellung benötigen alle Online-Glücksspielanbieter in Belgien auch eine Lizenz für ein landbasiertes Glücksspiel, und es werden nur neun solcher Lizenzen vergeben.


Alle Casinobetreiber, -besitzer und -angestellten benötigen eine Lizenz, um in der Branche zu arbeiten, wobei neun verschiedene Lizenzen zur Verfügung stehen, je nachdem, in welche Klasse sie einzuordnen sind.


  • Klasse 1 (Casinos): Für sie ist eine Lizenz A erforderlich. Wenn ihre Geschäftstätigkeit das Angebot von Spielen oder Wetten im Internet einschließt, benötigen sie eine zusätzliche Lizenz A+.
  • Klasse 2 (Spielhallen): Für sie ist eine Lizenz B erforderlich. Wenn ihre Geschäftstätigkeit im Internet ausgeübt wird, ist eine zusätzliche Lizenz B+ erforderlich. 
  • Klasse 3 (Cafés und Einrichtungen, die Alkohol verkaufen): Sie benötigen die Lizenz C, welche ihnen die Genehmigung für den Betrieb von maximal zwei Spielen (Bingo und/oder One-Ball) erteilt.
  • Klasse 4 (Buchmacher): Sie benötigen die Lizenz F. Um Wetten zu veranstalten, ist eine Lizenz F1 erforderlich.  Buchmacher, die Wetten im Auftrag von Inhabern der Lizenz F1 (Glücksspieleinrichtungen) annehmen, benötigen eine Lizenz F2.  Für Online-Wetten wird zudem eine Lizenz F+ benötigt.



Unternehmen, die ihre Geschäfte in Belgien ohne die richtige Lizenz betreiben, werden von der Regierung auf eine schwarze Liste gesetzt. Außerdem werden ihre Daten an die Internetdienstleister weitergegeben. Wenn ein Unternehmen gegen die Gesetze verstößt, wird es mit hohen Geldstrafen belegt, während Einzelpersonen für den Zugriff auf illegale Seiten bestraft werden können.


Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern wurde das erforderliche Mindestalter für Spieler auf 21 Jahre angehoben, und in der belgischen Wettbranche wurden kürzlich umfangreiche Marketingmaßnahmen ergriffen, um gefährdete Personen, insbesondere Minderjährige, zu schützen. Im Juli 2023 wurde die letzte Phase des Verbots von Glücksspielwerbung umgesetzt. Seitdem ist die Bewerbung im Fernsehen und Radio sowie in Zeitungen und Zeitschriften und auf öffentlichen Plätzen verboten.


Dieses Verbot wird Anfang 2025 noch weiter ausgebaut. Dann dürfen auch in Sportstadien keine Wetten mehr beworben werden, und ab 2028 dürfen Glücksspielanbieter keine professionellen Sportmannschaften mehr unterstützen. Zudem werden die Wettunternehmen ihre Sponsoring-Ausgaben nicht mehr von der Steuer absetzen können.


Auch die wöchentlich zulässigen Einzahlungslimits auf den einzelnen Glücksspielseiten sind gesetzlich geregelt, und alle Glücksspielboni für Spieler sind ebenso verboten wie die Kreditkartennutzung durch Spieler.


Die Glücksspielkultur in Belgien


In Belgien gibt es eine ähnliche Glücksspielkultur wie in vielen anderen nordeuropäischen Ländern. Das Wetten ist für viele Menschen nach wie vor ein beliebter Zeitvertreib und die Casinos des Landes zählen zu den größten in Europa.


In den vergangenen zehn Jahren wurden die Fußballwetten immer beliebter – vor allem, seit Belgien durch eine „goldene Generation“ von Spielern wie Kevin De Bruyne, Romelu Lukaku und Eden Hazard zu einem ernst zu nehmenden Teilnehmer bei großen internationalen Turnieren wurde. 


Auch Pferderennen, insbesondere die Trabrennen, erfreuen sich großer Beliebtheit und werden in zwei Hippodromen ausgetragen. Das „Hippodrome de Wallonie/Mons“ gewann seit seiner Eröffnung im Jahr 1999 an Popularität, und das „Hippodrome Waregem“ bietet 40.000 Plätze für die Wettbegeisterten und ist Austragungsort des jährlichen „Great Flanders Steeplechase“.  


Der Erfolg der belgischen Fahrer bei der Tour de France hat die Wetten auf den Radsport ebenso beliebt gemacht wie die staatlich monopolisierte nationale Lotterie (Loterie National Belgique) mit ihrer Vielzahl von Spielen.


Die Zukunft des Glücksspiels in Belgien


Belgien ist der Hauptsitz der Europäischen Union und rühmt sich der Einhaltung der EU-Vorschriften, aber einige der Glücksspielgesetze stimmen nicht mit diesen überein. Vor allem die Kombination von Online-Glücksspiel und landbasiertem Glücksspiel wirkt nicht mehr zeitgemäß und wird möglicherweise neu geregelt. Dies könnte die Wettlandschaft des Landes grundlegend verändern.


Die Buchmacher haben gegen die immer strengeren Werberegeln protestiert, aber ein Gerichtsverfahren wurde von den Richtern der Europäischen Union abgewiesen. Derzeit scheinen die neuen Gesetze trotz der Proteste in Kraft zu bleiben.


Tom De Clercq vom belgischen Verband der Glücksspielbetreiber sagte im Januar: „Die BAGO hat sich wiederholt für eine Werbebeschränkung eingesetzt, auch in den traditionellen Medien. Aber wir haben auch stets davor gewarnt, dass ein völliges Werbeverbot an Orten mit einer großen Anzahl illegaler Anbieter, insbesondere im Internet, schwerwiegende Folgen haben wird. Erneut ist festzuhalten, dass die politischen Entscheidungsträger die von uns vorgeschlagenen Lösungen ignorieren und auf populistische Lösungen setzen.“


Die neuen Regeln werden die belgische Wettlandschaft wohl in den nächsten Jahren prägen.

 

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