Nur wenige Länder schaffen einen so ausgewogenen Mix aus Freiheit und Kontrolle im Glücksspiel wie Schweden. Einst ein klarer Staatsmonopolmarkt, gilt das Land heute als Beispiel für verantwortungsbewusste Liberalisierung und als attraktiver Standort für seriöse internationale Betreiber. Dieser Artikel geht genauer auf die Gesetze, Regulierungen und praktischen Realitäten ein, die bestimmen, wie der Markt 2025 und darüber hinaus funktioniert.
HINWEIS
Diese Informationen ersetzen keine Rechtsberatung und basieren ausschließlich auf öffentlich zugänglichen Quellen. Sie stellen keinen rechtlichen Rat dar. Altenar übernimmt keine Haftung für die Nutzung dieser Inhalte.
Kurzer Überblick über die Glücksspielgeschichte in Schweden
Glücksspiel in Schweden reicht zurück in eine Zeit, in der Wetten als Unterhaltung galten – allerdings stets mit Regeln, die das Spielverhalten im Zaum halten sollten. Bereits 1897 führte der Staat seine erste nationale Lotterie ein. Dies war ein Meilenstein der frühen Glücksspielregulierung. Es folgten Pferdewetten (legalisiert 1923) und Sporttoto-Angebote 1934.
Über Jahrzehnte übernahmen staatliche Institutionen die vollständige Kontrolle:
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AB Svenska Spel verantwortete Lotterien, Sportwetten und später Casinos.
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ATG (AB Trav och Galopp) steuerte den Pferderennsektor.
Beide Unternehmen wurden gegründet, um Einnahmen für öffentliche Zwecke zu sichern und Glücksspiel unter staatlicher Aufsicht zu halten.
Mit dem Aufkommen internationaler Online-Casinos in den 2000er-Jahren geriet dieses Modell jedoch unter Druck. Aufgrund der EU-Binnenmarktvorgaben konnten schwedische Behörden ausländische Anbieter nicht effektiv blockieren – der Konsumentenschutz verschlechterte sich. Nach jahrelangen politischen Diskussionen markierte das Gambling Act (2018:1138) den Wendepunkt. Seit dem 1. Januar 2019 gilt ein kompetitives Lizenzsystem, beaufsichtigt von der Swedish Gambling Authority (Spelinspektionen).
Ziel der Reform ist es, mindestens 90 % des Glücksspielverhaltens in den regulierten Markt zurückzuführen. Trotz zugelassener privater Anbieter behielt der Staat jedoch strenge Regeln zur Werbung, Bonusangeboten und Verantwortungsmechanismen bei. Dies ist ein sozialer Schutzansatz, der bis heute das Fundament des Systems bildet.
Seit der Liberalisierung liegt der Fokus zunehmend auf Durchsetzung statt Expansion. Wichtige Modernisierungen fanden statt im Jahr:
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2023: Pflichtlizenzen für Softwareanbieter (B2B)
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2024/25: strengere Vorgaben bei Steuern, Zahlungsverkehr und Marketing
Damit bleibt Schweden europaweit einzigartig: ein offener Markt, aber immer mit der klaren Grundannahme, dass Glücksspiel ein reguliertes Privileg ist, kein grenzenloses Konsumgut.
Wichtige Meilensteine der modernen Glücksspielentwicklung in Schweden
Die Entwicklung der schwedischen Glücksspielbranche spiegelt eine Geschichte staatlicher Einflussnahme und vorsichtiger Modernisierung wider. Hier sind die wichtigsten Ereignisse der letzten Jahrzehnte:
1897: Erste nationale Lotterie – Glücksspiel unter staatlicher Aufsicht
1923: Legalisierung von Pferdewetten
1934: Gründung von Tipstjänst (Fußballtoto) – Beginn strukturierter Sportwetten
1958: Gründung von ATG als zentrale Einrichtung für Pferdewetten
1994: Lottery Act (1994:1000) stärkt staatliche Kontrolle
1997: Gründung von AB Svenska Spel (Fusion von Tipstjänst + Penninglotteriet)
2001: Eröffnung des ersten Casino Cosmopol in Sundsvall
2012–2017: EU kritisiert zunehmende Verstöße gegen Binnenmarktvorgaben
2018: Verabschiedung des Gambling Act und Gambling Ordinance
2019: Inkrafttreten des neuen Lizenzsystems unter Spelinspektionen
2023: Pflichtlizenzen für B2B-Gaming-Softwareanbieter
2024: Glücksspielsteuer steigt von 18 % auf 22 % GGR
2026 (geplant): Schließung aller landbasierten Casinos; vollständiger Übergang zu einem digitalen Markt
Der Glücksspielmarkt in Schweden im Jahr 2025
Der schwedische Glücksspielmarkt ist heute vollständig liberalisiert, aber trotzdem nach wie vor streng reguliert. Seit Inkrafttreten des Gambling Act (2018:1138) überwacht Spelinspektionen alle Lizenzen und sorgt für gleichen Wettbewerb zwischen nationalen und internationalen Betreibern.
Der Großteil der lizenzierten Glücksspielaktivitäten findet in Schweden inzwischen online statt. Das ist ein direktes Ergebnis der sehr hohen digitalen Nutzungsrate des Landes. Sportwetten und Online-Casinospiele dominieren weiterhin, getragen von einer der engagiertesten Spielergemeinschaften Europas.
Lizenzierte Anbieter müssen strenge technische und sozialverantwortliche Auflagen erfüllen. Dazu gehören:
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die verpflichtende Anbindung an Spelpaus, das nationale Selbstausschlussregister,
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die kontinuierliche Überwachung von Risikoverhalten,
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sowie klare, transparente Kommunikation in ihrer Werbung.
Diese Anforderungen sind anspruchsvoll, definieren aber gleichzeitig die Glaubwürdigkeit des schwedischen Marktes. Betreiber, die diese Anforderungen einhalten, profitieren von einem stabilen und angesehenen Umfeld, das langfristig Markenvertrauen fördert.
Auch wenn der stationäre (also Offline-)Glücksspielmarkt deutlich kleiner ist, bleibt er nach wie vor sichtbar. Stationäre Wetten sind in Schweden weiterhin verbreitet, insbesondere in Kiosken und Sportfachgeschäften, die als Partner von Svenska Spel Sport & Casino oder ATG (dem traditionellen Pferderennwettenanbieter) agieren. ATG behält treue Kundschaft mit Tote- und Fixed-Odds-Wetten auf Pferderennen – unterstützt durch Schwedens starke Pferdesportkultur und populäre TV-Events wie die V75. Bingo-Hallen existieren weiterhin, wenn auch in geringerer Zahl. Sie dienen primär als gemeinnützige Freizeitangebote, lizenziert für wohltätige Zwecke.
Lotterien haben in Schweden einen besonderen Stellenwert und werden vor allem von Svenska Spel sowie verschiedenen gemeinnützigen Organisationen betrieben. Sie gehören zu den sozial am stärksten akzeptierten Glücksspielformen im Land und werden traditionell als Aktivitäten gesehen, die öffentliche und gemeinnützige Projekte unterstützen.
Sowohl Einwohner als auch Besucher können in Schweden legal an einer breiten Palette von online und offline angebotenen Glücksspielprodukten teilnehmen, zumindest sofern diese über eine schwedische Lizenz betrieben werden. Dazu gehören:
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Online-Casinospiele
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Sportwetten
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Pferderennen (Tote- und Fixed-Odds)
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Lotterien
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Gemeinnütziges Bingo
Eine wichtige Ausnahme bilden landbasierte Casinos. Diese werden derzeit vollständig geschlossen, nachdem die Regierung aufgrund sinkender Besucherzahlen, steigender Online-Teilnahme und hoher Betriebskosten beschlossen hat, die staatliche Casino-Kategorie abzuschaffen. Da diese Lizenzform ausschließlich dem Staat vorbehalten war, können private Betreiber nach geltendem Recht keine neuen terrestrischen Casinos eröffnen oder die bisherigen ersetzen.
Glücksspielaufsicht und staatliche Glücksspielinstitutionen
Ein Netzwerk aus Regulierungsbehörden und staatlich betriebenen Organisationen legt fest, wie Glücksspiel in Schweden überwacht, lizenziert und durchgeführt wird. Jede Institution erfüllt eine klar definierte Rolle bei Lizenzierung, Aufsicht, Spielerschutz und operativen Anforderungen. Gemeinsam bestimmen sie die tatsächliche Funktionsweise des Systems.
Swedish Gambling Authority (Spelinspektionen)
Die Schwedische Glücksspielbehörde (Spelinspektionen) ist die zentrale Regulierungsbehörde für alle Glücksspielformen in Schweden – basierend auf dem Gambling Act (2018:1138) und der Gambling Ordinance (2018:1475).
Ihre Aufgaben umfassen:
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Lizenzvergabe und Überwachung für Online-Casinos, Sportwetten, landbasierte kommerzielle Anbieter, Lotterien und Spielgeräte
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Verwaltung des Selbstausschlussregisters Spelpaus
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Veröffentlichung von Marktdaten, die operative und regulatorische Strategien beeinflussen
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Durchsetzung von Regeln durch:
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Verwarnungen
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Bußgelder
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Suspensions- oder Widerrufsentscheidungen
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Sicherstellung von Compliance in
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Verantwortungsvolles Spielen (Responsible Gambling)
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Geldwäscheprävention (AML)
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Spielerschutz
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Technischer Systemintegrität
Swedish Consumer Agency (Konsumentverket)
Die Swedish Consumer Agency, also die schwedische Verbraucherbehörde, ist für den Verbraucherschutz zuständig, einschließlich der Regulierung von Werbung im Glücksspielbereich. Grundlage ist das Marketing Act (2008:486), auch bekannt als SFS 2008:486. Das Gesetz stellt sicher, dass Marketing und Werbung von Glücksspielanbietern fair und transparent sind und sich nicht an Minderjährige richten.
In der täglichen Praxis bedeutet das:
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Prüfung von Werbekampagnen
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Sicherstellung, dass Marketing transparent, korrekt und nicht an Minderjährige gerichtet ist
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Veröffentlichung von Leitlinien für verantwortungsvolle Werbung
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Untersuchung potenzieller Verstöße gegen Verbraucherschutz- oder Werbevorschriften
Betreiber, die neu in Schweden tätig werden, sollten ihre Marketingmaterialien frühzeitig gemäß den Richtlinien des Konsumentverket gestalten, um spätere Konflikte zu vermeiden.
AB Svenska Spel
Auch wenn AB Svenska Spel selbst keine Regulierungsbehörde ist, spielt das Unternehmen eine zentrale Rolle im schwedischen Glücksspielsystem. Als staatlicher Betreiber ist es für Lotterien, stationäre Wettangebote und – bis vor Kurzem – auch für Casinoaktivitäten verantwortlich. Unter der Aufsicht der Swedish Gambling Authority (Spelinspektionen) wurde Svenska Spel im Zuge des Glücksspielgesetzes von 2019 neu strukturiert: Die kommerzielle, im Wettbewerb stehende Einheit (Svenska Spel Sport & Casino AB) wurde organisatorisch von den Monopolbereichen (Lotterien und Zahlenlotterien) getrennt.
Für Marktteilnehmer gilt Svenska Spel sowohl als Benchmark als auch als Mitbewerber. Das Unternehmen steht exemplarisch für Schwedens Ansatz, Marktöffnung mit staatlicher Kontrolle auszubalancieren. Svenska Spel arbeitet häufig mit der Spelinspektionen an Maßnahmen für Responsible Gambling zusammen und unterstützt aktiv das nationale Selbstausschlussprogramm Spelpaus. Obwohl alle landbasierten Casinos des Unternehmens bis 2026 geschlossen werden, bleibt Svenska Spel ein wichtiger Anbieter und setzt weiterhin hohe Compliance- und Verbraucherschutzstandards im Online- und stationären Bereich.
ATG (AB Trav och Galopp)
ATG (AB Trav och Galopp) ist seit Jahrzehnten führender Anbieter für Pferdewetten. Das Unternehmen gehört gemeinsam der Swedish Trotting Association (Svensk Travsport) und dem Swedish Jockey Club (Svenska Galopp) – also den nationalen Organisationen für Trab- und Galopprennen.
Wie bei Svenska Spel besitzt ATG keine regulatorischen Befugnisse, sondern operiert unter Lizenz und Aufsicht der Spelinspektionen. Historisch hatte ATG ein Monopol auf Pferderennwetten, tritt jedoch seit der Marktliberalisierung 2019 in direkten Wettbewerb mit privaten Buchmachern – während es gleichzeitig weiterhin durch seine Wettumsätze die schwedische Pferderennsportbranche finanziert.
Aus Betreibersicht gilt ATG oft als Beispiel für hohe Compliance-Standards und Spielerschutz. Die Systeme des Unternehmens werden streng überwacht, insbesondere in Bezug auf:
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Transparenz der Wettabläufe
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Responsible-Gambling-Maßnahmen
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Geldwäscheprävention (AML)
Diese Kombination stärkt das Vertrauen der Spieler und unterstützt die langfristige Nachhaltigkeit des Pferderennsektors in Schweden.
Weitere wichtige Aufsichts- und Kontrollinstitutionen
Neben den Hauptregulierungsbehörden und den staatlich betriebenen Glücksspielunternehmen sind drei weitere Institutionen entscheidend für die rechtliche und ethische Integrität des schwedischen Glücksspielmarktes:
Die Swedish Financial Supervisory Authority (Finansinspektionen) überwacht die finanzielle Stabilität und compliancebezogene Vorgänge im Glücksspielsektor, insbesondere in Bezug auf Zahlungsdienstleister und den geplanten bundesweiten Kreditkartenverbotsmechanismus für Glücksspiel. Sie stellt sicher, dass Ein- und Auszahlungen ausschließlich über genehmigte Zahlungsmethoden erfolgen, wie im Payment Services Act (2010:751) festgelegt.
Die Swedish Police Authority (Finanzermittlungseinheit, kurz FIU) der schwedischen Polizei überwacht und untersucht Verdachtsfälle von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, die im Zusammenhang mit Glücksspieltransaktionen stehen können. Betreiber sind verpflichtet, Verdachtsmeldungen (Suspicious Activity Reports, SARs) gemäß dem AML Act (2017:630) direkt an die FIU einzureichen.
Schließlich ist die Swedish Authority for Privacy Protection (Integritetsskyddsmyndigheten, IMY) für den Datenschutz zuständig und überwacht die Einhaltung der Datenschutzgrundverordnung (General Data Protection Regulation , GDPR) sowie des Data Protection Act (2018:218). Für Online-Glücksspielanbieter, die umfangreiche und sensible Kundendaten verarbeiten, ist die IMY eine der wichtigsten Behörden – vor allem hinsichtlich:
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Datenspeicherung
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Zugriffskontrollen
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Datenminimierung
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Sicherheitsmaßnahmen
Compliance-Anforderungen für den Markteintritt
Jeder Betreiber, der schwedischen Spielern Glücksspielprodukte anbieten möchte – unabhängig davon, ob das Unternehmen in Schweden oder im Ausland ansässig ist – muss eine Reihe von gesetzlichen Verpflichtungen erfüllen. Diese Vorgaben bilden die Grundlage für einen erfolgreichen Markteintritt.
Im Gegensatz zu einigen anderen EU-Märkten müssen Betreiber keinen physischen Firmensitz in Schweden führen, sofern sie innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) registriert sind. Sie müssen jedoch vollständige technische und betriebliche Transparenz gegenüber der schwedischen Glücksspielaufsicht Spelinspektionen gewährleisten. Unternehmen außerhalb des EWR müssen einen lokalen Vertreter in Schweden benennen, der gegenüber den nationalen Behörden rechtsverbindlich handeln kann.
Nachfolgend die zentralen Compliance-Anforderungen, die Betreiber vor Erteilung einer Lizenz erfüllen, aber auch dauerhaft einhalten müssen. In der Regel werden diese Compliance-Anforderungen über Gambling Acts, also Glücksspielgesetze, festgelegt.
Organisatorische und berufliche Kompetenz
Antragsteller müssen ausreichendes technisches Fachwissen, Managementerfahrung und eine Organisationsstruktur nachweisen, die in der Lage ist, alle gesetzlichen Melde- und Compliance-Pflichten zu erfüllen. Damit soll sichergestellt werden, dass Betreiber den schwedischen Vorgaben zum Verbraucher- und Spielerschutz entsprechen. Siehe Gambling Act (2018:1138), Chapter 4, Section 1 für mehr Informationen.
Rechtskonformität und geschäftliche Integrität
Eine Lizenz wird nur erteilt, wenn der Betreiber voraussichtlich in Einklang mit schwedischem Recht, EU-Vorschriften und den Prinzipien des verantwortungsvollen Spielens agieren wird. Dazu gehören finanzielle Transparenz und rechtlich einwandfreie Marketingpraktiken. Siehe Gambling Act (2018:1138), Chapter 4, Section 1.
EWR-Ansässigkeit oder lokale Vertretung
Betreiber mit Sitz außerhalb des EWR müssen eine physische Vertretung in Schweden benennen, die befugt ist, mit Spelinspektionen zu kommunizieren und offizielle Mitteilungen entgegenzunehmen. Dies gewährleistet eine wirksame behördliche Aufsicht. Weitere Informationen: Gambling Act (2018:1138), Chapter 11 Section 6c.
Systemstandort und Fernaufsicht
Das zentrale Spielsystem des Betreibers muss sich grundsätzlich in Schweden befinden, außer es wurde eine Ausnahmegenehmigung erteilt, die den schwedischen Behörden einen Fernzugriff erlaubt. Damit erhält Spelinspektionen die Möglichkeit, lizenzierte Aktivitäten in Echtzeit zu überwachen. Weitere Informationen: Gambling Act (2018:1138), Chapter 16, Section 2.
Technische Zertifizierung und ISO-Konformität
Alle Plattformen müssen durch eine von SWEDAC akkreditierte Prüfstelle nach SIFS 2022:3 getestet und zertifiziert werden. Die Systeme müssen ISO/IEC 27001:2013 entsprechen, einem gängigen Standard zur Informationssicherheit. Dies stellt Software-Integrität, Fairness und Datenschutz sicher.
Spieleridentifikation und Kontosicherheit
Betreiber müssen die Identität aller Spieler verifizieren – in der Praxis meist durch BankID (Schwedens digitale Identität), bevor ein Spiel oder eine Auszahlung möglich ist. Personenbezogene Daten und Spieldaten müssen fünf Jahre lang aufbewahrt werden, gemäß Section 5, Chapter 17 of the Gambling Act.
Verpflichtungen im Bereich des verantwortungsvollen Spielens
Lizenznehmer müssen das nationale Selbstausschlussregister Spelpaus.se integrieren und Tools für Einsatz-, Verlust- und Zeitlimits anbieten. Diese Maßnahmen sind verpflichtend, um spielbedingte Schäden zu reduzieren. Weitere Informationen: Gambling Act Ch. 14 §§ 6–12.
Geldwäscheprävention (AML) und Sorgfaltspflichten
Unter dem AML Act (2017:630) müssen Betreiber kontinuierliche Kundenprüfungen durchführen, Risikobewertungen unterhalten und verdächtige Transaktionen über das System goAML direkt an die schwedische Finanzermittlungseinheit melden.
Moderation von Marketing und Werbung
Alle Werbemaßnahmen müssen maßvoll, transparent und nicht auf Minderjährige oder selbst ausgeschlossene Personen ausgerichtet sein. Verstöße können zu Verwarnungen, Bußgeldern oder Lizenzsperren führen. Weitere Informationen: Gambling Act Ch. 15 §§ 1–3.
Zahlungs- und Kreditbeschränkungen
Einzahlungen dürfen ausschließlich über zugelassene Zahlungsdienstleister gemäß dem Payment Services Act (2010:751) erfolgen. Ein geplantes Kreditkartenverbot für Glücksspiel – vorgesehen für 2026 – soll den Spielerschutz weiter stärken. Weitere Informationen: Swedish Ministry of Finance Memorandum, February 2024.
Aufbewahrungs- und Berichtspflichten
Sämtliche Spiel-, Finanz- und Nutzerdaten müssen sicher dokumentiert und fünf Jahre lang gespeichert werden. Betreiber müssen Spelinspektionen bei Bedarf vollständigen Zugriff gewähren. Weitere Informationen: Gambling Act Ch. 16 § 5.
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Diese Informationen ersetzen keine Rechtsberatung und basieren ausschließlich auf öffentlich zugänglichen Quellen. Sie stellen keinen rechtlichen Rat dar. Altenar übernimmt keine Haftung für die Nutzung dieser Inhalte.
Lizenzkosten und Besteuerung in Schweden
Der Eintritt in den schwedischen Glücksspielmarkt ist nicht nur eine Compliance-Frage, sondern auch eine finanzielle Verpflichtung. Im Vergleich zu anderen EU-Jurisdiktionen ist Schwedens Lizenzierungsstruktur transparent, regelbasiert und direkt im Glücksspielverordnungsgesetz (Gambling Ordinance (2018:1475), Chapter 15) gesetzlich festgelegt.
Erstlizenzierungskosten
Die schwedische Glücksspielbehörde Spelinspektionen erhebt feste Gebühren, abhängig vom Lizenztyp. Aktuell gelten folgende Sätze:
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Kommerzielle Online-Glücksspiel- oder Wettlizenz:
SEK 230.000 (≈ 20.900€)
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Gaming-Software-Lizenz:
SEK 120.000 (≈ 10.500€)
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Lotterielizenzen für gemeinnützige Zwecke:
SEK 6.000 bis 175.000, abhängig vom Gesamtgewinnvolumen.
Alle Antragsgebühren sind vorab zu entrichten und werden unabhängig vom Ausgang nicht erstattet.
Verlängerungs- und Aufsichtsgebühren
Schwedische Lizenzen sind bis zu fünf Jahre gültig. Bei einer Verlängerung fällt erneut die vollständige Prüfgebühr gemäß der jeweiligen Lizenzkategorie an. Zusätzlich zahlen alle Lizenznehmer eine jährliche Aufsichtsgebühr an Spelinspektionen, die die vollständigen Kosten der Regulierungsaufsicht abdeckt.
Die Gebühr basiert auf dem Glücksspielverordnungsgesetz (2018:1475) und der Verordnung (2022:1679). Sie variiert je nach Unternehmensgröße, Spielvolumen und Compliance-Aufwand und liegt typischerweise zwischen SEK 50.000 und 250.000 pro Jahr.
Für Inhaber einer Gaming-Software-Lizenz deckt die jährliche Gebühr die fortlaufenden Prüf-, Test- und Zertifizierungsmaßnahmen ab.
Laufende Betriebskosten
Zusätzlich zu den gesetzlichen Gebühren fallen regelmäßige Betriebskosten im Rahmen der regulatorischen Anforderungen an. Dazu gehören:
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Technische Compliance: Erstanalyse und jährliche Systemzertifizierungen nach SIFS 2022:3 und ISO/IEC 27001.
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Responsible Gambling: Integration von Spelpaus.se und zugehörigen Schutzfunktionen.
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AML/CTF-Systeme: Laufende Sorgfaltspflichten, Transaktionsüberwachung und Meldungen.
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Marketing- und Datenschutzprüfungen: Regelmäßige Überwachung durch Konsumentverket und die Datenschutzbehörde IMY.
Insgesamt bedeutet dies, dass Compliance in Schweden kein einmaliger Aufwand, sondern ein fortlaufender betrieblicher Kostenfaktor ist.
Steuersätze für lizenzierte Betreiber
Gemäß dem Glücksspielsteuergesetz (2018:1139) zahlen lizenzierte Betreiber 22 % Steuern auf den Bruttospielertrag (GGR) – also Einsätze abzüglich ausgeschütteter Gewinner. Der Steuersatz gilt einheitlich für alle regulierten Segmente, einschließlich Online-Wetten, Casino und Lotterien. Damit wird eine konsistente steuerliche Behandlung des kommerziellen Glücksspiels gewährleistet.
HINWEIS
Alle in diesem Abschnitt genannten Gebühren und Steuersätze entsprechen dem Stand zum Zeitpunkt der Erstellung. Änderungen durch die schwedische Regierung sind möglich. Betreiber sollten stets die aktuellsten Informationen auf der offiziellen Website von Spelinspektionen prüfen.
Chancen und Ausblick
Der schwedische Glücksspielmarkt befindet sich in einer Phase stabiler Reife. Er ist reguliert, klar definiert und profitabel für Betreiber, die seine Standards einhalten. Nach mehreren Anpassungsjahren seit der Re-Regulierung im Jahr 2019 hat sich der Markt etabliert. Laut Spelinspektionen erreichte der Gesamt-GGR im Jahr 2024 SEK 27,85 Milliarden, ein Anstieg von 2,6 % gegenüber dem Vorjahr – mit Online-Casino und Sportwetten als stärksten Segmenten.
Analysten betonen jedoch, dass die wahre Erfolgsgeschichte nicht das Wachstum, sondern die Stabilität ist. Die Kanalisierungsrate, also der Anteil des Spielverhaltens innerhalb des lizenzierten Systems, liegt bei rund 85–86 %, ein Wert, den viele europäische Behörden als Benchmark ansehen.
Hinzu kommt, dass der Anteil des Glücksspiels, der außerhalb des lizenzierten Systems stattfindet, weiterhin relativ niedrig ist. Schätzungen zufolge liegt er nämlich bei rund 9 % im Lotteriebereich und bei etwa 28 % im Online-Casino-Segment, wie eine aktuelle Analyse von Vixio.com zeigt. Das deutet darauf hin, dass schwedische Verbraucher heute überwiegend lizenzierte Marken bevorzugen, während der behördliche Druck die Margen für unlizenzierte Anbieter stark begrenzt.
Für neue Marktteilnehmer bedeutet diese Marktreife vor allem Planbarkeit. Lizenzgebühren sind gesetzlich festgelegt, und Compliance-Erwartungen sind klar definiert. Betreiber, die in langfristige Lokalisierung, datenbasierte Tools für verantwortungsvolles Spielen, schwedischsprachigen Kundensupport und kulturelles Verständnis investieren, können nachhaltige Margen erzielen.
Gleichzeitig gibt es zwei regulatorische Veränderungen, die das Umfeld spürbar beeinflussen könnten. Zum einen das Verbot von kreditbasiertem Glücksspiel, das ab April 2026 in Kraft tritt und darauf abzielt, Hochrisikospiel und Überschuldung zu begrenzen. Zum anderen die Schließung aller Casino-Cosmopol-Standorte bis Januar 2026, wodurch das staatlich betriebene, landbasierte Casinogeschäft vollständig eingestellt wird. Es wird erwartet, dass dadurch ein größerer Teil der Ausgaben für Erwachsenenspiel und Entertainment in den Online-Bereich abwandert – ein mögliches Plus für lizenzierte iGaming- und Sportwettenanbieter mit Fokus auf den schwedischen Digitalmarkt.
Trotz dieser Chancen bleiben Herausforderungen bestehen. Schwedens strenge Werbevorschriften und Anforderungen an „maßvolle“ Marketingkommunikation begrenzen aggressive Akquise und die Aufsichtskosten steigen, da Spelinspektionen zunehmend in datengetriebene Überwachung investiert. Dennoch wird Schweden von den meisten Marktbeobachtern als eine der sichersten und renommiertesten Jurisdiktionen Europas für seriöse Betreiber beschrieben – eher als solider Dauerläufer denn als spekulatives Hochrisikoengagement.
Marktvorteile und -nachteile für Betreiber
Für iGaming-Betreiber gehört Schweden zu den am stärksten strukturierten, aber dennoch gut zugänglichen Märkten Europas. Der Markt bietet Raum für nachhaltiges Wachstum, ohne die Volatilität, die in anderen Jurisdiktionen zu beobachten ist.
Im Folgenden Abschnitt die wichtigsten Vorteile und Nachteile für Betreiber, die einen Markteintritt ab 2026 in Betracht ziehen:
Vorteile
Offenes, liberalisiertes Rahmenmodell
Schwedens vollständig liberalisiertes Lizenzsystem ermöglicht privaten Betreibern einen eigenständigen Markteintritt – ohne lokale Partnerschaften, ohne Kontingente und sowohl für Online-Casino als auch für Sportwetten.
Vorhersehbare Besteuerung
Der einheitliche Steuersatz von 22 % auf den Bruttospielertrag (GGR) sorgt für eine außergewöhnlich hohe Planbarkeit bei finanziellen Modellen und langfristiger Geschäftsentwicklung.
Digital-First-Markt
Mehr als 80 % des gesamten GGR stammen aus Online-Aktivitäten. Damit bietet Schweden ein ideales Umfeld für technologiegetriebene Sportwetten- und Casinoanbieter, die auf Mobile First und Datenanalyse setzen.
Effizientes Lizenzierungsverfahren
Anträge werden direkt von Spelinspektionen bearbeitet und können vollständig online eingereicht werden. Der Prozess ist spürbar schneller als in vielen anderen EU-Ländern.
Hohes Spielervertrauen
Schwedische Spieler bevorzugen klar lizenzierte Anbieter, was die Markenstärke regulierter Betreiber deutlich fördert.
Nachteile
Bonusbeschränkungen
Betreiber dürfen nur auf die erste Einzahlung eines Spielers einen Bonus anbieten. Diese Regel schränkt sowohl Akquisitionsstrategien als auch laufende Kundenbindung spürbar ein.
Hohe Überwachungskosten
Die jährlichen Aufsichtsgebühren von Spelinspektionen steigen mit dem Umsatz und können insbesondere mittelgroße Betreiber wirtschaftlich stark belasten.
Grenzüberschreitender Wettbewerb
Dänemark und Finnland (mit geplanter Marktöffnung ab 2026) verstärken den Wettbewerb in der nordischen Region erheblich. Das dürfte Akquisitionskosten erhöhen und die Spielerbindung anspruchsvoller machen.
Wie man eine schwedische Glücksspiellizenz beantragt
Die Beantragung einer schwedischen Glücksspiellizenz ist deutlich unkomplizierter als in vielen anderen europäischen Märkten. Der gesamte Prozess ist digital und kann vollständig über das Online-Portal von Spelinspektionen abgewickelt werden. Klare Vorgaben, feste Gebühren und standardisierte Dokumentanforderungen machen Schweden zu einem der (administrativ) transparentesten EU-Märkte für regulierte Glücksspielanbieter.
Eine Glücksspiellizenz in Schweden erhält man in der Regel durch folgende Schritte:
Schritt 1: Die richtige Lizenzkategorie auswählen
Wählen Sie im Bereich „Apply licence or permit“ die passende Lizenz (z. B. Online-Casino/Wetten, Softwarelizenz oder Lotterie/Bingo).
Schritt 2: Die Hinweise unter „About application” lesen
Hier erklärt Spelinspektionen den Umfang, die Marktstruktur und auch die formalen Voraussetzungen der jeweiligen Lizenz, bevor Sie den Antrag einreichen.
Schritt 3: Antragsunterlagen auf Schwedisch vorbereiten
Gemäß Gambling Ordinance müssen alle Unterlagen schriftlich auf schwedisch eingereicht werden. FAQs erklären zum Beispiel Details zu Identitätsnachweisen und den formalen Anforderungen.
Schritt 4: Antrag über den Online-Dienst einreichen
Senden Sie Ihren Antrag über das digitale Portal von Spelinspektionen ein und folgen Sie den formularspezifischen Anweisungen.
Schritt 5: Antragsgebühr zahlen (Bearbeitung startet erst nach Zahlung)
Nach Zahlungseingang wird Ihr Vorgang registriert und erhält eine Diarienummer (Registrierungsnummer). Ohne diese Zahlung beginnt keine Bearbeitung. Mehr Informationen unter: Application fees.
Schritt 6: Kontaktperson für das Verfahren benennen
Die Verordnung verpflichtet Antragsteller zur Benennung einer Kontaktperson, die während des Prozesses mit Spelinspektionen kommuniziert.
Schritt 7: Technische Dokumentation und Testplan einreichen
Orientiert an den technischen Richtlinien der SGA (SIFS 2022:3), inkl. Tests, SWEDAC-zertifizierten Prüfstellen, Informationssicherheit und Änderungsmanagement.
Schritt 8: Verantwortungsvolles Spielen nachweisen
Zeigen Sie, wie Sie die gesetzlichen Anforderungen erfüllen – inklusive Integration von Spelpaus, Monitoring, Limits und Interventionsprozessen.
Schritt 9: AML-/CTF-Rahmenwerk vorlegen
Der Nachweis umfasst Risikobewertungen, KYC/Customer Due Diligence, Monitoring und SAR-Verfahren gemäß dem schwedischen AML-Gesetz.
Schritt 10: Mit Rückfragen und Ergänzungsanforderungen rechnen
Spelinspektionen kann zusätzliche Unterlagen verlangen. Diese werden dann über „Change, Supplement & Renew“ eingereicht.
Schritt 11: Nach Genehmigung – Onboarding & Veröffentlichung
Nach erfolgreicher Prüfung erscheint die Lizenz im öffentlichen Register. Systeme und Prozesse müssen dem genehmigten Umfang zu 100 % entsprechen.
Schritt 12: Frühzeitig Verlängerungen planen
Mindestens vier Monate vor Ablauf sollte ein Verlängerungsantrag gestellt werden, damit die bestehende Lizenz während der Prüfung gültig bleibt.
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